Kommunale Handlungsfähigkeit verteidigen!
Kommunale Handlungsfähigkeit verteidigen!
In
der Finanzkrise ist die Handlungsfähigkeit der niedersächsischen Städte, Gemeinden,
Samtgemeinden und Landkreise bedroht:
- Im
nächsten Jahr sinken Steuereinnahmen und Finanzausgleich um mehr als eine halbe
Milliarde Euro!
- Immer
noch enthält die Landesregierung den Kommunen im Finanzausgleich jährlich mehr
als 100 Mio. Euro vor, mit denen sie sich selbst seit 2005 sanieren will; zusammen
sind dies inzwischen 600 Mio. Euro!
- Die
Kassenkredite wachsen wieder an; waren es Ende 2008 noch 4,2 Mrd. Euro, so
Mitte dieses Jahres schon 4,5 Mrd.
- Die
Kommunalaufsicht des Landes zwingt Städte, Gemeinden, Samtgemeinden und Landkreise
politisch gestaltbare Aufgaben einzustellen: Gerade drei Prozent so genannter
freiwilliger Leistungen will sie akzeptieren.
- Städte,
Gemeinden, Samtgemeinden und Landkreise werden dadurch von Selbstverwaltungskörperschaften
zu Befehlsempfängern des Landes.
Gleichzeitig
soll die Gewerbesteuer als wichtigste kommunale Steuer erneut angegriffen und
durch Steuermodelle ersetzt werden, die die ruinöse Konkurrenz zwischen den
Kommunen weiter verstärken.
Wir
fordern daher:
- Die
Landesregierung muss den Steuersenkungsplänen im Bundesrat die Zustimmung verweigern
und sich – für die Interessen der Menschen in Niedersachsen einsetzen – sowie
auf die Seite der niedersächsischen Kommunen stellen. Die Städte, Gemeinden und
Landkreise brauchen einen verlässlichen Partner, der mit und nicht gegen
die Bedürfnisse der Menschen handelt! Sollte die Landesregierung
dennoch den Steuersenkungsplänen zustimmen, muss sie die Steuerausfälle für die
Kommunen in gleicher Höhe ausgleichen!
- Die
Landesregierung muss endlich die Kürzung des Finanzausgleichs rückgängig machen
und darüber hinaus die finanzielle Mindestausstattung der Kommunen so regeln,
dass politischer Gestaltungsspielraum bleibt – und damit die Grundlage für
ehrenamtliches Engagement.
- Die
Gewerbesteuer muss erhalten bleiben und endlich revitalisiert werden: Unsinnige
Steuerbefreiungen und -ausschlüsse müssen aufgehoben werden. Wir unterstützen
vorbehaltlos die Forderung aller kommunalpolitischen Spitzenverbände!
Weitere Belastungen werden sich für die Kommunen im Bereich Arbeit und Soziales ergeben. Die Bundesregierung plant, die Beteiligung an den Wohnkosten für Haushalte im SGB II (Hartz IV) weiter zu senken. Derzeit werden 26 Prozent der anfallenden Kosten für Heizung und Unterkunft vom Bund übernommen. Dieser Anteil soll nächstes Jahr auf 23,6 Prozent sinken. Grund hierfür ist, dass der Bund seinen Beitrag an der Zahl der Bedarfsgemeinschaften in den Kommunen bemisst und nicht an den tatsächlichen Kosten. Allein schon die sprunghaften Preissteigerungen bei Strom und Gas in den letzten Jahren machen deutlich, dass die Berechnung des Bundesanteils auf eine neue Grundlage gestellt werden muss. Hier ist die Landesregierung gefordert, im Interesse der Kommunen eine Neuberechnung durchzusetzen.
Kommentiert von: Thore Wintermann | Dienstag, 24. November 2009 um 13:32 Uhr
Die Städte und Gemeinden sind in Bewegung, einerseits drückt die Finanzkrise gewaltig auf die Entwicklungsbremse, andererseits verändern sich aufgrund der demografischen Entwicklung die Rahmenbedingungen für die Politik. So weit so gut, diese Erkenntnis ist mittlerweile Allgemeingut. Aber was macht die niedersächsische Landesregierung? Mit einer Hochzeitsprämie und dem Zukunftsverhinderungsvertrag verabschiedet sich die Landesregierung von ihrem Gestaltungsauftrag. Heimat gestalten, heißt mit den Menschen reden, mit den Kommunalpolitikern beraten und Entwicklungslinie für die Zukunft unseres Landes zur Diskussion stellen. Stattdessen wird monatlich im Arbeitskreis der Landesminister über neue ungelegte Eier gebrütet – so kann das nicht weitergehen, und vor allem, sollte die Landesregierung Wulff dem sogenannten Wachstumsbeschleunigungsgesetz zustimmen, fügt sie unserem Land und unserer Heimat schweren Schaden zu.
Kommentiert von: Michael Rüter | Montag, 23. November 2009 um 16:45 Uhr