Wider besseres Wissen
Politikerinnen und Politiker entscheiden nicht immer nur auf einer sachlichen Grundlage. Manchmal beeinflussen Parteilinie oder politische Ränkespiele die eigenen Entscheidungen. Dieser Tage frage ich mich allerdings, ob sich einige politische Entscheidungsträger überhaupt noch von guten Argumenten überzeugen lassen.
Gravierende Auswirkungen der Studiengebühren
Anlass sind zwei aktuelle Studien des Hochschul-Informations-Systems (HIS), die sich mit der Situation von Studienanfängern und Auswirkungen von Studiengebühren befassen. Die Ergebnisse sind aus Sicht der SPD nicht unbedingt neu – dennoch haben sie eine besondere Brisanz: Denn pikanterweise hatte das von der CDU geführte Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unter Annette Schawan die Studie in Auftrag gegeben. Von den Ergebnissen konnte die Ministerin ebenso wenig begeistert gewesen sein, wie Ministerpräsident Christian Wulff, der Niedersachsen als erstem Bundesland die Campus-Maut aufgedrückt hat.
Bis zu 18.000 Studienberechtigte haben laut HIS im Studienjahr 2006 wegen der Studiengebühren keine Hochschulausbildung begonnen. Besonders Frauen und Studienberechtigte aus nichtakademischen Elternhäusern schrecken vor der finanziellen Belastung zurück. In einer Pressemitteilung des BMBF heißt es beschwichtigend, bei der Entscheidung für oder gegen ein Studium spielten die Studiengebühren nur „eine untergeordnete Rolle“. Die CDU scheint immer noch Gefallen an den Studiengebühren zu finden. Wie kann das sein?
Deutschland braucht mehr Hochschulabsolventen
Deutschland ist mit einer Studierquote von 36% eines Altersjahrgangs Schlusslicht im internationalen Vergleich. Niedersachsen liegt mit 29% noch weiter zurück. Dabei ist Bildung unser einziger Rohstoff. Die Wirtschaft benötigt mehr qualifizierte Fachkräfte. Und die Zukunftschancen unserer Kinder dürfen nicht an finanziellen Hürden scheitern!
Sicherlich ist nicht von der Hand zu weisen, dass sich die Studienbedingungen seit Einführung der Studiengebühren an der einen oder anderen Stelle verbessert haben. Hier ein zusätzliches Tutorium, dort ein Satz Lehrbücher – oder gleich eine (im übrigen zweckentfremdete) Gebäudesanierung. Dazu muss man wissen, dass die CDU/FDP-vor Einführung der Studiengebühren Kürzungen von rund 50 Millionen Euro im Hochschulbereich durchgesetzt hatte, die tiefe Spuren hinterlassen haben.
Auch erwarten laut HIS im Vergleich zum Vorjahr wesentlich mehr Studierende, dass sich die Qualität der Lehre durch die Studiengebühren verbessert. Dies ist bei zusätzlichen 1.000 Euro im Jahr ihr gutes Recht! Daraus aber eine Unterstützung der Studierenden für die Gebühren abzuleiten – dazu gehört schon eine eigenwillige Phantasie.
Niemand sollte sich für sein Studium hoch verschulden müssen und das Risiko alleine tragen. Wer im Berufsleben von einem Studium profitiert und mehr verdient als andere, zahlt höhere Steuern und trägt somit zur Hochschulfinanzierung bei. Das ist unsere Vorstellung von Gerechtigkeit.
Für uns ist klar: Eine gute Bildung für alle kostenlos zu gewährleisten, muss Aufgabe des Staates bleiben. Zukunftschancen dürfen nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängig sein. Studiengebühren sind unsozial und gehören abgeschafft. Wann lenken die Befürworter von Studiengebühren endlich ein?
Der Artikel ist richtig.
Man muss jedoch auch einfach sehen; Studiengebühren sind CDU-Politik, weil die WOLLEN, dass nicht jedeR Zugang zur Hochschule hat. Es ist ja nicht so, dass Herr Stratmann in Niedersachsen in seinem Ministerium sitzt und sich denkt: "Mensch, irgendwie können z.B. Arbeiterkinder nun gar nicht mehr studieren", sondern er arbeitet gezielt darauf hin, dass diese 2-Klassen-Politik umgesetzt wird. Anders sind Studiengebühren nicht zu erklären, denn der finanzielle Aspekt daran ist (gemessen am Landeshaushalt für die Universitäten) einfach lächerlich.
Und dann noch eine weitere Sache, die sicherlich im Artikel fehlt. Bildung ist nicht dazu da, um Menschen "marktverwertbar" zu machen, sondern sie soll Menschen zu kritischem Denken befähigen. Sie ist in erster Linie Menschenrecht - und das muss man klar voranstellen, wenn man über Bildung diskutiert.
Kommentiert von: Lars K. | Dienstag, 09. Dezember 2008 um 13:28 Uhr
Hallo Zusammen,
Bildung ist unser einziger Rohstoff - sicherlich richtig.
Bildung ist aber auch der Schlüssel für eine positive Persönlichkeitsentwicklung. Nur wer Zugang zu Bildung hat, auch den Hochschulzugang, kann frei in seiner Entwicklung wählen, kann technisches Wissen zu seinem und zum Vorteil der Gesellschaft erlernen.
Wichtig ist aber auch, dass auch die Gesellschaft in ihren Grundfunktionen wie Staat, Wirtschaft, Bildung und Demokratie Geisteswissenschaftler benötigt. Den auch wer Geisteswissenschaften betreibt, fördert sich und die Gesellschaft.
Das ist mir ein bisschen kurz gekommen.
Grüße
Daniel
Kommentiert von: Daniel B. | Montag, 17. November 2008 um 10:53 Uhr
Die Tatsache, dass ausländische Studenten oft wieder abwandern stimmt soweit. Aber das ist meist nicht die ursprüngliche Absicht dieser Studenten. Ich habe in meinem persönlichen Umfeld mehrere Fälle erlebt in denen ausländische Studenten in Deutschland bleiben wollten (und sogar Arbeitsmöglichkeiten hatten) aber wegen der rigiden deutschen Zuwanderungspolitik (ich verweise nur auf das "Zuwnaderungsbegrenzungsgesetz" an dem auch die SPD mitgewirkt hat) nicht bleiben durften.
Deutschland schießt sich bildungstechnisch gesehen gleich mehrfach selbst ins Bein: Es nutzt seine eigenen Potentiale nicht indem es Schüler nicht ausreichend fördert und Abiturienten vom Studium abschreckt, Studenten wegen fehlender Mittel länger in der Uni hält als nötig und ausländische Menschen zu Fachkräften ausbildet die dann nicht in Deutschland arbeiten dürfen oder durch eine skeptische Grundhaltung abgeschreckt werden. Sieht so aus, als gäbe es gleich mehrere Problemfelder anzugreifen, nicht? Allein durch die Abschaffung der Studiengebühren ist es nicht getan. Aber ein guter Anfang wäre es trotzdem.
P.S.: Gut geschriebener Blogeintrag, Christof!
Kommentiert von: Philipp Schrage | Sonntag, 16. November 2008 um 22:35 Uhr
Grundsätzlich stimme ich dem sehr guten Artikel zu. Bedenken sollte man aber, daß Studenten aus dem Ausland, nach dem von deutschen Steuerzahlern bezahlten Studium, meist in das Heimatland zurück gehen und hier kein Ausgleich z.B. durch hörere Steuern statt finden wird. Ich meine damit nicht Studenten aus armen Ländern!
Kommentiert von: Helmuth | Sonntag, 16. November 2008 um 13:03 Uhr