NTH - Die Hochschule, die keine ist
Der Forschungsstandpunkt Niedersachsen muss stärker werden, gerade in technischen Fächern. Das war einst der Gedanke, der Wissenschaftsminister Stratmann dazu veranlasste, von der Niedersächsischen Technischen Hochschule (NTH) zu träumen. Der Kern jenes undurchdachten Projekts ist die Zusammenlegung der Universitäten Hannover, Braunschweig und Clausthal zumindest im Bereich der Ingenieurswissenschaften, der Informatik sowie der Mathematik und der Naturwissenschaften zu einer Uni mit drei teilweise um die 100 Kilometer entfernten Standorte. Lediglich zur Verbesserung des Forschungsbetriebs geeignet scheint das Projekt, denn zur Lehrverbesserung wurden keine Impulse gesetzt. Ein einziges Präsidium, eine einzige Studierendenvertretung – das machte die NTH darüber hinaus nicht nur zum verwaltungstechnischen Super-GAU. Sowohl die akademische als auch die studentische Selbstverwaltung werden bis zur Arbeitsunfähigkeit zusammengestrichen. Ein Schelm, wer dabei Böses denkt.
Nun einigte sich der Minister mit den Präsidenten der betroffenen Hochschulen darauf, die NTH als eine Hochschule ohne Studierende und ohne ProfessorInnen aufzubauen. Diese verbleiben nämlich bei ihren ursprünglichen Hochschulen, selbst auf die Einrichtung gemeinsamer Fakultäten werde verzichtet und ein eigenes Budget erhält die NTH ebenfalls nicht. Auch in Bezug auf die Forschung, erweisen sich die angekündigten großen Sprünge eher als ein verzagtes Hoppeln. Denn Kooperation bei den einzelnen Forschungsprojekten ist auch jetzt schon möglich und partiell an der Tagesordnung. Was bleibt, ist also die Frage, welchen Sinn und Zweck diese Totgeburt haben soll.
Liebe LeserInnen,
in der aktuellen NTH-Diskussion dreht es sich nicht mehr um einen Dachverband ohne eigene Studierende und ProfessorInnen. Man ist mittlerweile dazu übergegangen, im NTH-Konzept die Studierenden und Dozierenden in den betroffenen Fachbereichen als NTH-Mitglieder zu organisieren.
Begründet wird es nach wie vor damit, man könne so neue "Exzellenzen" schaffen, zumal die Fachbereiche innerhalb der NTH zusammengelegt werden sollen. Für die Studierenden ergeben sich dabei nicht zu akzeptierende Hin- und Herreiseverhältnisse, ganz zu schweigen von der Tatsache, dass zum Beispiel die Universität Hannover keine technische, sondern eine Volluniversität ist. Auch die Mitsprache, bzw. Studierendenvertretung innerhalb der NTH ist bislang nicht geklärt und war im ersten Konzept noch nicht einmal berücksichtigt. Hier wird Demokratie mit Füßen getreten und das Prinzip der Gruppenuniversität verletzt. Es bleibt abzuwarten, wie es mit dieser Thematik weitergeht.
Kommentiert von: Lars K. | Dienstag, 09. Dezember 2008 um 13:15 Uhr
Ich studiere in Hannover und nicht in Clausthal. Und das bleibt auch so. NTH - einfach ein schlechter Vorschlag.
Kommentiert von: Maximilian Schmidt | Dienstag, 09. Dezember 2008 um 11:10 Uhr